Zwischen Nähe und Überforderung: Wenn Freundschaft zu viel Verantwortung trägt
Riri (w, 19) aus Homburg: Hallo,
Ich stelle mir gerade die Frage wie ich damit umgehe wenn eine Freundin sehr klammert, sehr meine Bestätigung sucht aber gleichzeitig manchmal sehr distanziert wirkt? Sie hat kein gutes Familiäres Umfeld, ist oft in unstabilen und ungesunden Beziehungen und hat kein gutes Selbstbild. Der Verdacht von Borderline steht im Raum. Sie ist nicht in regelmäßiger Therapie. Ich habe sie durch eine schwere Phase getragen und ihr geholfen das sie noch lebt und wieder ein bisschen Sinn darin sieht.
In mir findet sie oft, jemand der verlässlich da ist, der sie respektiert, der ihr sicherheit vermittelt, der sehr klar ist und dem sie vertraut. Für mich ist ihr 'klammern' trotzdem manchmal zu viel. Es ist nicht gut wenn sie nur an mir hängt und mir so viel Bedeutung zu schreibt. Sie gibt sehr viel auf meine Meinung und hat manchmal tendenzen mir nach machen zu wollen. Ich denke aber sie sollte sich in verschiedene Richtungen orientieren und nicht nur weil ich mit meinen Entscheidungen zufrieden bin ist sie es auch.
Ich wünsche mir eine gesunde und ausgewogene Freundschaft aber frage mich wie und ob ich das mit dieser Person führen kann? Wie weit ist es auch für mich gut? Gibt es tipps wie ich dem näher kommen kann?
Ich stelle mir gerade die Frage wie ich damit umgehe wenn eine Freundin sehr klammert, sehr meine Bestätigung sucht aber gleichzeitig manchmal sehr distanziert wirkt? Sie hat kein gutes Familiäres Umfeld, ist oft in unstabilen und ungesunden Beziehungen und hat kein gutes Selbstbild. Der Verdacht von Borderline steht im Raum. Sie ist nicht in regelmäßiger Therapie. Ich habe sie durch eine schwere Phase getragen und ihr geholfen das sie noch lebt und wieder ein bisschen Sinn darin sieht.
In mir findet sie oft, jemand der verlässlich da ist, der sie respektiert, der ihr sicherheit vermittelt, der sehr klar ist und dem sie vertraut. Für mich ist ihr 'klammern' trotzdem manchmal zu viel. Es ist nicht gut wenn sie nur an mir hängt und mir so viel Bedeutung zu schreibt. Sie gibt sehr viel auf meine Meinung und hat manchmal tendenzen mir nach machen zu wollen. Ich denke aber sie sollte sich in verschiedene Richtungen orientieren und nicht nur weil ich mit meinen Entscheidungen zufrieden bin ist sie es auch.
Ich wünsche mir eine gesunde und ausgewogene Freundschaft aber frage mich wie und ob ich das mit dieser Person führen kann? Wie weit ist es auch für mich gut? Gibt es tipps wie ich dem näher kommen kann?
Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:
Hallo und Guten Tag,vielen Dank für Ihre offene Nachricht.
Sie beschreiben eine Freundschaft, in der viel Vertrauen, Nähe und Verantwortung entstanden sind. Gleichzeitig spüren Sie, dass diese Nähe manchmal zu viel wird und Sie in eine Rolle geraten, die über Freundschaft hinausgeht. Das ist nachvollziehbar – besonders, wenn Sie für Ihre Freundin in einer schweren Krise ein wichtiger Halt waren.
Vielleicht geht es zunächst weniger um die Frage, ob Sie „genug“ für sie da sind, sondern eher darum:
Welche Rolle habe ich inzwischen in dieser Freundschaft übernommen?
Wo beginnt Unterstützung – und wo fühle ich mich verantwortlich für ihr Leben oder ihre Stabilität?
Was löst ihr Klammern in mir aus: Mitgefühl, Druck, Schuld, Angst oder Überforderung?
Welche Form von Nähe tut mir gut – und ab wann verliere ich meine eigene Grenze?
Darf ich verlässlich sein, ohne jederzeit verfügbar zu sein?
Was müsste sich verändern, damit die Freundschaft für beide gesünder wird?
Wichtig erscheint mir: Sie dürfen für Ihre Freundin bedeutsam sein, ohne ihr einziger Halt zu werden. Gerade wenn starke emotionale Abhängigkeit entsteht, braucht es mehrere Stützen – therapeutische Hilfe, andere Kontakte, eigene Interessen und professionelle Begleitung.
Auch Ihre Grenze ist nicht lieblos. Sie kann sogar hilfreich sein, weil sie Orientierung gibt und verhindert, dass die Freundschaft kippt. Ein möglicher innerer Satz könnte sein:
„Ich darf verbunden bleiben, ohne die Verantwortung für ihre Stabilität allein zu tragen.“
Wenn der Verdacht auf Borderline oder eine ernsthafte psychische Belastung im Raum steht, wäre regelmäßige professionelle Unterstützung besonders wichtig. Sie können begleiten, aber Sie können keine Therapie ersetzen.
Vielleicht ist der nächste Schritt nicht, sich abrupt zurückzuziehen, sondern ehrlich zu prüfen: Welche Nähe ist für mich tragbar? Welche Verfügbarkeit möchte ich anbieten? Und welche Verantwortung gehört nicht zu mir?
Es kann hilfreich sein, diese Grenzen behutsam und klar auszusprechen, ohne Ihre Freundin dabei abzuwerten. Zum Beispiel: „Du bist mir wichtig, und ich möchte gerne für dich da sein. Gleichzeitig merke ich, dass ich nicht immer alles auffangen kann. Ich wünsche mir, dass du dir zusätzlich Unterstützung holst, damit nicht alles nur an unserer Freundschaft hängt.“
So bleibt die Verbindung bestehen, aber sie bekommt einen gesünderen Rahmen. Eine ausgewogene Freundschaft darf Nähe enthalten, aber auch Eigenständigkeit. Sie darf Halt geben, ohne dass einer von beiden die ganze Last trägt.
Vielleicht darf Ihre Orientierung sein:
Ich bleibe zugewandt, aber ich bleibe auch bei mir.
Mit freundlichen Grüßen
Manja Biedermann
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