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Wie kann ich eine gute Entscheidung treffen?

Carlotta (w, 54) aus Karlsruhe:

Ich bin 25 Jahre verheiratet, wir sind 28 Jahre zusammen, ich habe meinen Mann nie betrogen. Er hat mich vor ca. 10 Jahren 2x betrogen, einmal habe ich es selber herausgefunden, das andere Mal hat es mir jemand erzählt. Hauptsächlich aus finanziellen Gründen bin ich bei ihm geblieben und irgendwie fand ich's nach dem ersten Schock auch nicht mehr ganz so schlimm. War ja 'nur' Sex. Aber man vergisst es auch nicht.

Jetzt habe ich mich in einen guten Freund meines Mannes verliebt, den ich auch schon 28 Jahre kenne und mit dem ich vor 22 Jahren schon mal wild geknutscht habe. Mehr war nicht, da wir beide unsere Partner nicht betrügen wollten. Er war schon immer etwas ganz Besonderes für mich und ich für ihn.

Jedenfalls ergab es sich vor ein paar Monaten, dass wir eine Woche, sozusagen ohne Aufsicht, zusammen verbracht haben und feststellen mussten, dass wir immer noch super harmonieren. Wir haben uns fürchterlich verliebt und treffen uns seither heimlich, was sehr schwierig ist, da wir blöderweise in die selbe Familie eingeheiratet haben, d.h. es gibt 1001 Berührungspunkte.

Ich liebe diesen Mann wirklich. Es ist viel mehr als erwartet und trifft mich mit voller Wucht. Ich fühle mich total zerrissen, will meinen Mann und ein paar weitere Menschen nicht verletzen (geht nicht, ich weiß), will mich aber auch nicht für sie opfern. Wie kann ich eine gute Entscheidung treffen?






Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Liebe Carlotta,

ich danke Ihnen für Ihre Anfrage. Als Ihr Mann Sie damals betrogen hat, sind Sie hauptsächlich aus finanziellen Gründen bei ihm geblieben. Wenn Sie schreiben, es war ja 'nur' Sex, klingt es sehr stark nach einer Rationalisierung, die Ihnen half, die Verletzung zu überstehen.

Jetzt haben Sie sich in den guten Freund Ihres Mannes verliebt. Eine Anziehung, die schon vor 28 Jahren bestand, der sie beide aber nie folgten aus Rücksicht auf ihre jeweiligen Partner. Dies scheint sich verändert zu haben und nun sind sie beide bereit, sich darauf einzulassen.

Sie fragen, wie Sie eine gute Entscheidung treffen können. Doch wenn Sie Ihre Zeilen aufmerksam lesen, werden Sie merken, dass die Entscheidung im Grunde schon gefällt ist. Denn dieses Mal sind Sie nicht mehr bereit, Ihre Gefühle zu rationalisieren und sich erneut auf dem Beziehungsaltar zu opfern - aus welchen Gründen auch immer - sondern Sie möchten Ihre Liebe leben.

Darin möchte ich Sie unterstützen. Seien Sie offen, ehrlich und authentisch mit dem, was Sie fühlen und leben wollen. Es geht dabei mehr um Ihre eigene, innere Wahrheit und mutig dazu zu stehen. Natürlich möchten Sie niemanden verletzen, das ist verständlich. Doch ein Leben ohne Verletzung gibt es nicht. Es würde bedeuten, sich vom Leben und anderen Menschen komplett abzukapseln und keine Gefühle mehr zuzulassen.

Deshalb ist es grundsätzlich wichtig zu akzeptieren, dass die Anderen anders empfinden dürfen. Sie werden vielleicht wütend und enttäuscht reagieren, sie werden Vorwürfe machen; vielleicht tauchen nochmal alte, unbearbeitete Konflikte auf. Vielleicht ziehen sie sich auch einfach schweigend zurück und verhindern jede konstruktive Aussprache.

Was auch geschehen mag, versuchen Sie die Reaktionen und Empfindungen der anderen Beteiligten bei ihnen zu lassen, ohne Schuld- oder Schamgefühle zu entwickeln.

Sie haben ein Recht auf ein eigenes Leben und darauf, Ihren Weg zu gehen. Entscheidend dabei ist, dass Sie es achtsam und respektvoll tun - sich selbst und Anderen gegenüber. Wenn Sie merken, dass Ihnen der Übergangsprozess schwer fällt, lassen Sie sich für ein paar Stunden psychologisch begleiten.

Ich wünsche Ihnen alles Gute -
viele Grüße aus Berlin

Anke Wagner
Heilpraktikerin f. Psychotherapie

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