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Ich habe Angst davor, dass sich meine Gedanken verselbständigen könnten

Aoewir (w, 30) aus Nürnberg : Hallo,

ich bin 30 und habe seit ca. 13 Jahren Angst Stimmen zu hören und dadurch die Kontrolle zu verlieren. Habe jedoch nie welche gehört. Ich habe deshalb leichte bis mittlere depressive Episoden gehabt und Paroxetin genommen. Habe bis März eine Verhaltemstherapie gemacht, die mir sehr geholfen hat.

Momentan habe ich recht viel Stress wegen der Arbeit. Seit letzter Woche Mittwoch ist es so, dass, wenn ich mich zum Schlafen lege, plötzlich sinnlose und zusammenhangslose Sätze in meinen Gedanken aufploppen. Zum Beispiel dachte ich mir „ich bin müde“ und dann, ohne es gewollt zu haben „du bist verrückt“.

Das macht mir unheimlich Angst, weil ich denke, vll ist das der Anfang vom Verrücktwerden und diese wirren Gedanken machen sich selbstständig und können iwann nicht mehr von mir selbst als eigene verstanden werden und dann fang ich an Stimmen zu hören, die mein Verhalten kommentieren oä.

Aufgrund dessen „überwache“ ich meine Gedanken regelrecht und habe Angst, mich ins Bett zu legen. Ich könnte mir vorstellen, dass das Hirn vll in dieser „Ruhephase“ alles durcheinander wirft und „aufarbeitet“ und dass in einer stressigen Zeit einfach mehr auffällt bzw. von mir anders bewertet wird. Ich hatte das in der Art jedoch nie und wollte fragen, ob das „normal“ ist, oder Anzeichen einer Psychose oä?



Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Liebe Aoewir,

ich danke Ihnen für Ihre Anfrage. Unter Stress funktioniert unsere Abwehr gegen unbewusste und bewusste Ängste nicht mehr so gut, d.h. es drängen sich viel eher Gedanken und Befürchtungen ins Bewusstsein. Obwohl Sie eine Verhaltenstherapie gemacht haben, die Ihnen auch sehr geholfen hat, haben Sie noch immer die tiefsitzende Angst, eines Tages Stimmen zu hören und verrückt zu werden.

Die Angst bleibt und Sie haben mittlerweile Wege gefunden, damit besser im Alltag umzugehen. Wichtig wäre jedoch herauszuarbeiten, wofür diese Angst wirklich steht. Deshalb könnte eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie hilfreich sein, um dies nochmal genauer zu ergründen.

Andernfalls werde Sie wahrscheinlich immer latent - und in Stresszeiten vermehrt- in Erwartungsspannung bleiben, ob sich nicht hier oder da Anzeichen einer beginnenden Psychose zeigen. Das ängstliche Aufpassen begünstigt dann die innere Anspannung und Angst, was wiederum physiologisch zu allen möglichen Symptomen führen kann. Die neurophysiologische Wechselwirkung von Körper, Geist und Seele ist sehr komplex. Aus meiner Sicht stehen bei Ihnen eher die Ängste im Vordergrund.

Überlegen Sie, ob eine weitere Psychotherapie für Sie in Frage käme. Eine Körperpsychotherapie könnte ebenfalls sehr unterstützend sein, weil sie die körperlichen Empfindungen direkter miteinbezieht und die individuelle Sprache des eigenen Körpers dadurch verständlicher und zugänglicher wird.

Ich wünsche Ihnen alles Gute. Über ein kurzes Feedback würde ich mich freuen.

Viele Grüße

Anke Wagner
Heilpraktikerin f. Psychotherapie





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