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Es macht mir viel Angst, raus zu gehen und mit Anderen zu sprechen

Lia (w, 21) aus Bremen:

Hallo liebes Psychomeda-Team,

ich hoffe ihr habt einen kleinen Rat für mich. Ich bin fast 22 und hab keine Zukunftsperspektive. Eigentlich sollte ich nach der Schule ein Jahr zuhause bleiben, um meine Psyche in den Griff zu bekommen.. aber mittlerweile sind es 4 Jahre. Ich hab keinen Ausbilungsplatz oder ähnliches. Und soziale Kontakte auch nicht. Ich fühle mich wie der Versager der kompletten Familie, weil alle anderen ihr Leben im Griff haben.

Mit Anderen zu sprechen oder raus zu gehen, macht mir viel Angst. Sobald ich mein Zimmer verlassen muss, werde ich nervös. Aber ich glaube, wenn ich nicht bald mit irgendeiner Ausbildung anfange, nimmt mich später keiner mehr, wegen der großen Lücke im Lebenslauf.. Ich hab mich die letzten zwei Jahre an weiterbildenen Schulen beworben, aber wurde abgelehnt.

Habt ihr vielleicht eine Idee?

MfG Lia

Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Hallo Lia,

ich danke Ihnen für Ihre Anfrage. Ich kann verstehen, dass es Ihnen Druck macht, endlich mit einer Ausbildung anzufangen. Doch wenn Sie sich extrem ängstlich im Kontakt mit Anderen fühlen und sich nicht trauen rauszugehen, hat es momentan auch wenig Sinn, beruflich etwas anzustreben. Es geht erstmal darum, dass Sie wieder stabiler und handlungsfähiger werden.

So wie Sie Ihre leidvolle Situation beschreiben, taucht für mich die Frage auf, ob es nicht sinnvoll wäre, wenn Sie sich stationär behandeln ließen. Vielleicht würde eine ambulante Psychotherapie ebenfalls ausreichen, wenn Sie sich auf die therapeutische Beziehung einlassen können. Das kann ich aus der Ferne allerdings nicht einschätzen, dazu müssten Sie einen Facharzt konsultieren.

Sie erwähnen nicht, was Sie schon gemacht haben, um nach der Schule ihre Psyche wieder in den Griff zu bekommen. Es scheint Ihnen jedoch nicht geholfen zu haben. Deshalb ist es wichtig zu überlegen, welche Hilfe von außen Sie jetzt benötigen. Denn allein werden Sie es kaum schaffen, aus dem immer enger werdenden Kreislauf von sozialen Ängsten, Rückzug und vielleicht auch zunehmend depressiver Stimmung mit Versagensschuld, wieder raus zu kommen. Die derzeitige Pandemie-Situation mit dem Gefühl unsicherer Zukunft kann zusätzlich psychische Symptome verstärken.

Bitte sprechen Sie nochmal mit Ihrem behandelnden Arzt über Ihre ausgeprägten sozialen Ängste. Um an einem beruflichen Leben teilnehmen zu können, sollten Sie in der Lage sein, Ihre Wohnung angstfrei verlassen und mit anderen Menschen in Kontakt gehen zu können. Deshalb sollte der Fokus erstmal darauf liegen, diese Symptomatik zu verbessern.

Ich wünsche Ihnen alles Gute,
viele Grüße

Anke Wagner
Heilpraktikerin f. Psychotherapie





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