Psychologische Online Beratung

Der Psychotherapieratgeber

Atemzentrierte Verhaltenstherapie

von Dr. Gerald Pohler, Psychologischer Psychotherapeut / Verhaltenstherapeut

Die Atemzentrierte Verhaltenstherapie (Pohler & Pohler-Wagner 1990) ist eine verhaltenstherapeutische Methode bei der eine Konfrontation mit angst- oder stress- auslösenden Gedanken mittels forcierter Atmung einen Schwerpunkt der Behandlung darstellt.

In der Praxis folgt auf einen weitgehend strukturierten Atemzyklus, mit Pulskontrolle mittels eines Pulsmessers eine verbale kognitiv orientierte Therapiesitzung. Der Atemzyklus wird liegend durchgeführt und ist dreigegeliedert. Auf eine ruhige Atemphase folgt eine mit starker forcierter Atmung und anschliessender ruhigen Phase. Über Anstieg der Pulswerte (Defensivreaktionen nach Sokolov) werden Gedanken und und Fantasien die mit dem Leidenszustand des Klienten in Verbindung stehen ins Wachbewusstsein gehoben und können dann therapeutisch behandelt werden.

Der Atemzyklus


Phase 1: Entspannung

Jede Atemsitzung beginnt damit, daß der Klient mit dem Rücken auf einer Matte liegt, und an einen Pulsmesser (Ohr oder Fingersensor) angeschlossen ist. Die Instruktion für den Klienten lautet zehn Minuten lang ruhig zu liegen

Phase 2: Aktivierung

Danach soll der Klient tief und kräftig ein und aus atmen, insbesondere im Brustbereich Wenn nach einiger Zeit dieser "experimentellen Stresssituation" körperliche Missempfindungen auftreten (leichte Hyperventilationsanzeichen oder Körperwahrnehmungen wie sie von Reich als "Muskelpanzer" beschrieben worden sind), wird der Klient aufgefordert nicht mehr willentlich forciert zu atmen, sondern die Atmung ganz spontan geschehen zu lassen.

Die Zeitdauer des forcierten Atmens ist von Klient zu Klient verschieden - in der Regel treten nach 3 bis 5 Minuten Missempfindungen auf. Ähnliche Ergebnisse wie die von uns beobachteten wurden im Bereich der Panik- Forschung und Therapie (etwa Margraf, Ehlers et al.1991) berichtet.

Phase 3: Entspannung

Der Patient lässt den Atem spontan werden, kontrolliert ihn nicht. Oftmals tritt so eine tiefe Entspannung ein. Über den Anstieg der Pulswerte gelingt der Zugang zu nicht voll bewussten Gedanken und anderen therapierelevanten Kognitionen. Der Klient wird gefragt, was er nun erlebt, und es zeigt sich, dass es sich oftmals um depressiogene, angstbesetzte oder andere im Zusammenhang mit der Problematik oder dem Leidenszustand des Klienten stehende Kognitionen handelt. Der Therapeut frägt nach und notiert und bespricht die so erhobenen problemrelevanten Inhalte anschließend und nützt in Folge das breite Spektrum der Verhaltenstherapie.

Einsatzgebiete der Atemzentrierten Verhaltenstherapie

Die Atemzentrierte Verhaltenstherapie eignet sich besonders zur Behandlung von Angststörungen, Depressionen und psychosomatischen Beschwerden.

Quellen

LUTHE, A.: Die Atemzentrierte Verhaltenstherapie nach POHLER & POHLER/WAGNER. Zur Wirksamkeit der Atemzentrierten Verhaltenstherapie nach POHLER (Wien ) bei Gesunden und einem Klienten mit Asthma Bronchiale. Dipl. Arbeit Univ. Leipzig (1994)

MARGRAF,J.,EHLERS,A.,HERBER,B.,MEISNER,K.,WROBEL,F.: Hyperventilation, Angstanfälle und soziale Angst. Verhaltenstherapie 1991,1,34-36.

POHLER,G.: Atemzentrierte Verhaltenstherapie in der Rehabilitation, in AUVA (Hrsg): Schlußbericht vom 7.alpenländischen Symposium für internationale Zusammenarbeit in der Rehabilitation, Wien, AUVA, 1992,113 -117.

POHLER,G.: Atemzentrierte Verhaltenstherapie: der aktuelle Stand; in SCHRÖDER,H.& RESCHKE;K.( Hrsg.): Intervention zur Gesundheitsförderung für Klinik und Alltag, Regensburg, S. Roderer Verlag 1996, 199 - 211.0

POHLER,G. & POHLER-WAGNER,L.: Atemzentrierte Verhaltenstherapie. Dortmund, Borgmann, Verlag modernes Lernen, 199O. (http://members.aon.at/doc.pohler/gratis-downlaod.html)

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