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Ich zerbreche an dem Pornokonsum meines Partners

Pia87 (w, 33) aus Köln:

Guten Morgen,

mit meinem Freund bin ich ca. 1,5 h zusammen und wir wohnen auch zusammen. Seit einiger Zeit ein großes Problem mit seinem Pornokonsum. Er ging immer offen damit um und verheimlichte nie - direkt von Anfang an - dass er sich gern mal Pornos anschaut und dazu masturbiert. Doch als seine Probleme auf der Arbeit in diesem Jahr losgingen und es zwischen uns schwieriger wurde, begann mich sein Konsum enorm zu belasten.

Wir hatten schon einige Diskussionen und Gespräche darüber, in denen wir unsere Standpunkte erklärten. Er, dass er damit aufgewachsen sei und er es zum Druckabbau benötige und ich, dass ich mich verletzt und ausgeschlossen fühle. Er verweigert sich mir, um allein seiner Lust nachzugehen und gleichzeitig die Sorge ihm nicht zu genügen. Mein Freund jedoch denkt mich nicht befriedigen zu können.

Ich versuche ihn wirklich zu verstehen und zu akzeptieren. Ich selbst habe auch begonnen, Pornos ab und zu mal zu gucken. Wenn ich mich sexuell unbefriedigt fühle und sozusagen frustiert bin. Doch er tut es unabhängig unserer Stimmung oder unseres Sexes. Fast täglich. Mir erscheint es, als würde er nur abwarten, dass ich einschlafe oder nicht anwesend bin. Es verunsichert mich enorm, meines Wertes als Frau und Partnerin und seiner Liebe.

Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll und was ich noch tun kann, damit es mir damit besser geht. Im Moment drohe ich daran zu zerbrechen. Denn ich gehe davon aus, dass er es nicht reduzieren wird. Und verlangen kann ich es auch nicht.

Vielen lieben Dank!

Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Hallo Pia87,

ich danke Ihnen für Ihre Anfrage. Nach Ihrer Beschreibung zeigt Ihr Partner ein eindeutig pathologisches Suchtverhalten in Bezug auf Porno-Konsum. Sie fühlen sich zu Recht als Partnerin verunsichert, ungeliebt und verletzt. Durch den ständigen Konsum vermeidet er die körperliche, aber letztlich auch emotionale Nähe zu Ihnen und nimmt in Kauf, dass die Beziehung daran zerbricht.

Er lebt mit seinen Bedürfnissen quasi in der virtuellen Welt und blendet seine Beziehungsverantwortung in der realen Welt aus. Dort muss er keine Verantwortung übernehmen, keinen Kontakt pflegen und keine Auseinandersetzungen führen. Er isoliert sich immer mehr, zieht sich zurück. Beziehungsverantwortung bedeutet jedoch, dass beide sich um die Fortentwicklung der Beziehung, dem Erhalt des gegenseitigen Vertrauens und des Respektes füreinander bemühen. Es bedeutet auch, dass einem das Wohlergehen des Partners am Herzen liegt. Sie können das nicht allein leisten.

Mit Verständnis und Anpassung werden Sie nicht weiterkommen. Wie bei jedem anderen Suchtverhalten auch, ist es notwendig zu konfrontieren und Grenzen zu setzen, sonst gerät man in die Rolle der Co-Abhängigen. Wenn Sie weiter versuchen sich anzupassen, untersützen Sie sein Suchtverhalten.

Sie können also durchaus verlangen, dass er seinen Konsum und sein Verhalten in Frage stellt. Es geht um die Frage: Was ist ihm wichtiger, die Beziehung zu Ihnen oder sein Porno-Konsum? Stellen Sie ihn vor die Entscheidung, damit Sie Klarheit bekommen, ob Ihr Partner Sie wirklich liebt und begehrt.

Sollte er Einsicht zeigen, wird er sehr wahrscheinlich therapeutische Begleitung benötigen, um sich davon zu lösen. Es gibt mittlerweile in vielen Städten auch Selbsthilfegruppen für Porno-Süchtige, weil die Anzahl der Betroffenen immer mehr zunimmt. Das könnte neben einer Einzeltheapie sehr unterstützend sein.

Ich wünsche Ihnen alles Gute,
viele Grüße

Anke Wagner
Heilpraktikerin f. Psychotherapie
Bewertung durch den Fragensteller:
Eine ehrliche und direkte Antwort, ausführlich erklärt

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