Psychologische Beratung


Ritzen - Selbstverletzendes Verhalten

von Psychomeda-Redaktion

Ritzen: Überblick

Viele Eltern sind geschockt, wenn sie bemerken, dass sich ihre Kinder mit Scheren, Rasierklingen oder Scherben die Haut blutig ritzen. Oft betrifft es Mädchen in der Pubertät - mit stark steigender Tendenz. Das Ritzen wird meistens als schmerzfrei erlebt, verhilft zu einer Art Erleichterung und gefühltem Stressabbau. Ritzen steht häufig in Zusammenhang mit hohen Neurotizismus-Werten, einem stark beeinträchtigten Selbstwertgefühl und der Borderline- Persönlichkeitsstörung. In seltenen Fällen liegt eine Selbstmordabsicht vor.


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Ritzen: Erscheinungsformen

Das Ritzen zählt zu den selbstverletzenden Verhaltensweisen. Nicht alle selbstverletzenden Verhaltensweisen sind gesellschaftlich tabuisiert. Viele selbstverletzende Verhaltensweisen werden kulturell akzeptiert (Tätowieren, Piercing) oder dienen religiösen Zwecken (Selbstkasteiung). Damit hat das Ritzen jedoch nichts zu tun.

Beim Ritzen ist für viele Betroffene der Anblick von Blut von zentraler Bedeutung, so dass meist so lange geritzt wird, bis Blut fließt.

  • geritzt wird meistens zu Hause
  • oftmals nur kratzartige Hautdefekte: feine Schnitte, Ritzer oder Kratzer (in Gruppen angeordnet)
  • verwendet werden Scheren, Nadeln, Reißnägel, Heftklammern oder auch die Fingernägel
  • die bevorzugten Körperregionen sind Unterarm (bei Rechtshänder der linke) und Handgelenk
  • die meisten Jugendlichen beginnen mit 14 oder 15 Jahren mit dem Ritzen
  • oftmals werden sie von anderen (oder durch die Medien) auf die Idee gebracht

Häufigkeit des Ritzens

Etwa 5 bis 20% der Jugendlichen ritzen sich - Mädchen bis zu 10 mal häufiger als Jungen. Das ist das Ergebnis mehrer Studien aus unterschiedlichen Ländern, wobei die Tendenz in westlichen Ländern stark steigend ist.

Ritzen: Diagnose

Ritzen wird im ICD10 nicht als eigene psychische Störung angesehen, sondern als Symptom bei verschiedenen Störungen. Nach dem ICD10 kann es beispielsweise klassifiziert werden als emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Typ Bordeline (F 60.31) oder auch als abnorme Gewohnheit und Störungen der Impulskontrolle (F 63.8).

Schwere Formen des Ritzens sind gekennzeichnet durch:

  • Wiederholtes Verletzen der Haut über einen längeren Zeitraum (ein Jahr)
  • Ein Gefühl der Anspannung unmittelbar vor dem Ritzen (Ritzdruck)
  • Gefühle von Entspannung, Befriedigung oder Erleben einer angenehmen Betäubtheit nach dem Ritzen
  • Das Gefühl von Scham und Angst vor sozialer Ächtung bewirkt, dass Narben, Blut oder andere Anzeichen versteckt werden.

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Ritzen und Borderline-Persönlichkeitsstörung

Häufig wird bei Jugendlichen, die sich ritzen, eine Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) diagnostiziert. Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung sind emotional sehr instabil, neigen zu schwarz-weiß denken und haben häufig Angst vor Nähe und gleichzeitig Angst vor dem Alleinsein. Geringes Selbstwertgefühl, chronisches Gefühl der inneren Leer, starke innere Konflikte, Selbstzweifel, impulsives Verhalten (Fressanfälle) und intensive aber unbeständige Beziehungen sind weitere Merkmale der Borderline-Störung. Ursachen sind beispielweise schwere Traumata (sexueller Missbrauch), Vernachlässigung durch die Mutter und Gewalterfahrungen.

Ritzen als Sucht

Ritzen weist typische Merkmale einer Sucht auf und kann auch als solche verstanden werden:

  • Beim Ritzen werden Adrenalin und Endorphine ausgeschüttet, die eine Art Glückgefühl und Erleichterung hervorrufen.
  • Wird länger nicht geritzt, tritt ein sogenannter Ritzdruck auf: Ein starkes Verlangen, sich wieder zu ritzen.
  • Außerdem entwickelt sich eine Toleranz, sodass das Ritzen nach Art und Häufigkeit immer weiter gesteigert werden muss.
  • Die Betroffenen schämen sich für ihr Verhalten, verbergen es und reagieren ungehalten, wenn sie darauf angesprochen werden.

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