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Fairness (Gütekriterium für psychologische Tests) - Lexikon der Psychologie

Begriffsbestimmung

Fairness zählt neben Reliabilität Validität und Objektivität zu den wichtigen Gütekriterien für psychologische Tests. Faire Tests bieten allen Teilnehmern die gleichen Chancen auf ein gutes Abschneiden im Test. - Psychomeda-Redaktion.
Fairness wird im Idealfall bereits durch die Testkonstruktion erreicht. So verzichten faire Intelligenztests (auch als Culture-Free-Tests bezeichnet) weitgehend auf sprachliche Aufgaben, um Menschen aus bildungsfernen Schichten nicht zu benachteiligen. Fairness kann aber auch nachträglich durch Ausgleichspunkte hergestellt werden. US-Kriegsveteranen erhalten dazu in vielen Tests Bonuspunkte, um eine Benachteiligung durch die Teilnahme an Kriegen auszugleichen.
Wie wichtig die Fairness bei Tests ist, verdeutlicht ein Beispiel: Die Frage aus einem Intelligenztest 'Was ist ein Hangar?' können i.R. mehr männliche Teilnehmer richtig beantworten - die Frage 'Was ist eine Iris?' hingegen meist mehr weibliche Teilnehmer.

Entwicklung fairer Tests

Bei der Entwicklung fairer Tests wird darauf geachtet, dass die Test-Ergebnisse nicht von Geschlecht, Bildung, sozialer Herkunft oder religiösen Überzeugungen beeinflusst werden. Unklare Testanweisungen, eine komplizierte Sprache, die Vorgabe von Zeitlimits oder die Verwendung von kulturell oder religiös gefärbten Symbolen oder Beispielen führen hingegen häufig zur systematischen Benachteiligung einzelner Teilnehmergruppen.
Um die Fairness einzelner Aufgaben zu überprüfen, werden sie im Zuge der Testerprobung unterschiedlichen Personengruppen (Männer - Frauen; Ältere - Jüngere; mit Hochschulabschluss - ohne Hochschulabschluss) vorgelegt. Ziegen sich hierbei signifikante Unterschiede, so werden die Aufgaben entweder überarbeitet oder ganz aus dem Test entfernt. Auch Test-Merkmale wie Reliabilität, Validität und Objektivität sollten für relevante Personengruppen getrennt untersucht werden und weitgehend übereinstimmen.
Gerade Intelligenztests benachteiligen häufig besonders intelligente Teilnehmer, weil die Aufgaben für sie zu leicht sind (Deckeneffekt). Idealerweise ist die Schwierigkeit der Aufgaben bei fairen Tests daher so verteilt, dass über die gesamte Bandbreite der Merkmalsausprägung hinreichend differenziert werden kann.

Maßnahmen zur Entwicklung fairer Tests in der Übersicht:
- Verwendung einer einfachen, leichtverständlichen Sprache
- Verzicht auf die Vorgabe von Zeitlimits
- Keine religiös oder weltanschaulich gefärbte Aufgaben
- Erprobungsphase mit Personen aus unterschiedlichen Kulturen und Schichten
- Aufgaben, die im unteren und oberen Bereich der Merkmalsausprägung differenzieren

Literatur

Helfried Moosbrugger (2012). Testtheorie und Fragebogenkonstruktion (Springer-Lehrbuch). Springer. [Amazon]
Markus Bühner (2010). Einführung in die Test- und Fragebogenkonstruktion - Das Standardwerk der empirischen Psychologie in neuer Bearbeitung (Pearson Studium - Psychologie). Pearson. [Amazon]

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